Blümchen

Mein großes Hobby ist der Karneval. 1990 wurde ich Gründungsmitglied des Gaglower Carneval Vereins e.V.. Mit viel Elan habe ich als Vizepräsident den Verein zusammen mit den anderen ersten Mitgliedern aufgebaut. Damals waren es ganze elf – heute sind es weit über 150.

Ich bin unter anderem hauptverantwortlich für das Programm, den Umzugswagen „Zug der fröhlichen Leute“ sowie für die Büttenredner im Verein. Ich selbst verkörperte in meiner Person als Büttenredner das „Gaglower Blümchen“ in bisher weit mehr als 200 Auftritten. Jedes Jahr bin ich selbstverständlich auch bei der vom RBB initiierten Karnevalsgala „Heut´ steppt der Adler“ dabei.

…ein Vereinsmitglied schrieb in einer Ausgabe unseres Programmheftes:

Er war schon immer vom Karneval begeistert und hatte 1988 die Idee, einen eigenen Karneval-verein zu gründen.

Mit Schwung und Elan baute er, gemeinsam mit anderen Gründungsmitgliedern, den Verein auf und übernahm das Amt des Vizepräsidenten. Da er viel Witz und Humor besitzt, steuert er in jeder Saison tolle Ideen zum Programm bei. Stets überrascht er das Publikum und die Vereins-mitglieder mit einem selbsterdachten Sketch und auf das Blümchen mit seinen Erlebnissen wartet inzwischen jeder Besucher.

Das ist aber noch nicht alles! Er lässt es sich nie nehmen, die Bühne in mühevoller Kleinarbeit selbst zu gestalten. Und wenn es im Februar zum Umzug nach Cottbus geht, winken viele Mitglieder unseres Vereins von einem Wagen, der unter Wilfrieds Regie entsteht und bei dem er auch kräftig mit Hand anlegt. Kurz gesagt, beim Karneval ist Wilfried überall und ohne ihn wäre es uns nicht denkbar.

Auch wenn er in diesem Jahr die 55 überschritten hat, wird er uns weiterhin mit seinen Ideen begeistern können…

G.R.

Lausitzer Rundschau vom 08-02-2003:

Die geballte Macht des närrischen Frohsinns traf sich zum siebenten Mal in der Cottbuser Stadthalle zur Karnevals-Veranstaltung „Heut‘ steppt der Adler“. Seit sechs Jahren seht er mit auf der Bühne – Blümchen aus Groß Gaglow.

Er gehört zu den „Großen“ der Lausitzer Narrenwelt, auch wenn er bscheiden abwinkt. Als Clown mit der dicken roten Nase im Gesicht kommt er daher. Das „Gaglower Blümchen“, alias Wilfried Hillebrand ist der wohl Bekannteste des Gaglower Carneval Vereins (GCV). Sein fröhliches Wesen steckt die Menschen an, und wenn er seine Bütt vorträgt, biegt sich die Meute vor Lachen.

Kein Halten nach der Wende

Die Idee ist 23 Jahre alt. „Wir wollten einen Karnevalsverein gründen, aber der Kulturbezirksvorstand hat uns das nicht erlaubt“, erzählt Wilfried Hillebrand. Kurz nach der Wende konnte ihn keiner mehr aufhalten, Mit Reiner Sachs (dem jetzigen Präsidenten des GCV) und weiteren Faschingsbegeisterten gründete er den Verein. Doch Hillebrand wollte mehr und erfand den „Weltreisenden“. Zur Ausstattung gehörte eine große Plastikblume. „Irgendwann sagten die Leute: Da kommt das Gaglower Blümchen“, berichtet der heute 55-jährige. So entstand der Name, 1996 änderte Hillebrand auch sein Outfit. Gislinde, seine Frau, schneiderte ihm eine Jacke mit breitem Revers. Der Hut kam dazu, die Blume steckte jetzt an der Jacke. Im vorigen Jahr kletterte „Blümchen“ auf einen überdimensionalen Stuhl, in diesem Jahr hat er sich ein Podest gebaut, um näher am Publikum zu sein. Die Knollennase blieb. „Das sieht doch lustig aus.“ Auch die Bütten wurden professioneller, obwohl „Blümchen“ immer wieder betont, dass er kein Profi ist und sein möchte.

„Das ganze Jahr bin ich auf der Suche nach Pointen“, sagt der Groß Gaglower. Ob im Urlaub, bei Feiern oder im Alltag – Hillebrand schreibt fast jede Begebenhait auf. Anleitung und Hilfe holt er sich aus der Literatur. „Heinz Rühmann lese ich sehr gern.“

Zum Auswendig-Lernen der Bütt geht „Blümchen“ mit seinem Hund im Wald spazieren und spricht laut vor sich hin. Oder er stellt sich vor den Spiegel und übt die Mimik zum Text. „Alles muss hundertprozentig sitzen, denn gerade vor der Fernsehkamera kann ich mir keinen Patzer erlauben.“

Konzentration und raus

Lampenfieber vor den Auftritten habe er nicht. Sobald er in sein Kostüm schlüpft, läuft alles ab wie im Film. Konzentration und raus, so seine Devise. Nur Frau Gislinde fährt mit. „Obwohl sie keine begeisterte Karnevalistin ist. Aber ich brauche den Rückhalt und das Wissen, dass sie im Publikum sitzt.“ Auch deswegen erzählt er so gern von ihr in seinen Bütten. „Die Leute mögen es, wenn ich von meiner ehemaligen Verlobten, meinem Staubbeutelchen oder der Lotusblume schwärme.“

Nach dem Applaus fühlt er sich „sauwohl“ und könnte Bäume ausreißen. „Kurze Verschnaufpause und dann starten die Vorbereitungen für die anderen zahlreichen Vereins-Karneval-Sitzungen.“ Alle Veranstaltungen sind ausverkauft, nur für die Seniorenfeier am 23. Februar bei „Düsterhöft“ gibt es noch Karten.

Hillebrand bleibt seinem Verein treu und will noch mindestens vier, fünf Jahre auf den Brettern stehen. Insgesamt stand er 210 Mal auf der Bühne. Er wird oft zu Gastauftritten gebeten. Sogar im Berliner Estrel-Hotel war er engagiert. Eine Einladung nach Rüsselsheim hat er abgesagt. „Wir haben eine Vereins-Veranstaltung, das geht vor.“ Für heute Abend sei er „gewappnet“ und freue sich schon riesig auf das Publikum und den anschließenden Tusch. Seine Bütt sei ihm gut gelungen. Hillebrand ist zufrieden und sagt verschmitzt, während er an seinem weißen Handschuh zupft: „Es macht mich stolz. 60 Vereine haben sich für das Programm beworben. Die Jury hat mich wieder ausgewählt. Als Dank komme ich mit Blumen auf die Bühne. Ist ja schließlich Gaglower Blümchen-Tag.“

Cornelia Schulze